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Und die Sonne lacht so schadenfroh

So, nun ist es also soweit. Ich bin jetzt etwas über 30 Jahre alt. Und irgendjemand hat plötzlich die total unglaubliche Vorstellung, dass wir (ich und meine Generation) unsere Eltern nicht mehr brauchen würden. Hummm….Hallo? Ja klar, ich kann mittlerweile, meine Schuhe selber zubinden *stolzaufdieSchulterklopf* aber was ist mit allem anderen? Ich meine, ich fühle mich noch nicht erwachsen genug mein Leben alleine zu leben. Nein, nicht heute und auch nicht morgen. Vielleicht so in 50 Jahren und diese Zeit ist auch nicht Verhandelbar. Also ganz sicher nicht früher! 

 

Meine liebe Sandkastenfreundin musste von ihrer Mutter abschied nehmen. Ich habe diese Nachricht bei strahlendem Sonnenschein erhalten, während ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz war. Er ist fröhlich zum gefühlt 100x die Rutsche runter gerutscht. Ich war von der Nachricht wie gelähmt. Und auf einmal überkam mich diese Wut. Warum? Warum schon jetzt? Und warum strahlt die Sonne so schadenfroh vom Himmel? Wie kann es sich die Erde erlauben sich weiter zu drehen? Ohne Rücksicht auf die, die genau jetzt den Boden unter den Füssen verlieren. Wie kann es nur Morgen oder Übermorgen werden?

 

Dann sehe ich meinen Sohn und bewundere ihn dafür, dass in seinem Leben noch kein Platz ist für den Tod. Wenn man ein Teenager ist freut man sich riesig auf den 18. Geburtstag und denkt sich „Ja, dann bin ich Erwachsen“ und wenn es soweit ist, fühlt man sich irgendwie doch nicht so. Dann wird man 20, 25, 30, 32 und jetzt? Jetzt sollte ich doch Erwachsen sein? Warum fühle ich mich nicht so? Warum habe ich das Gefühl, dass ich ohne meine Eltern nichts wäre? Wer soll diese Lücke einmal füllen wenn es soweit ist? Wie ist es möglich, dass die Tränen mal trocknen? Für mich unvorstellbar.

 

Als ich dann mit meinen Eltern an der Beerdigung war, meinte meine Mutter. Also an meiner Beerdigung will ich nicht, dass irgendjemand schwarz trägt. Moment! STOPP! Ich bin noch nicht erwachsen genug ein solches Gespräch zu führen. 

 

 

Bitte, bitte, bitte lasst uns zurück in den Sandkasten und 1000x mal die Rutsche runterrutschen und sauer auf die Eltern sein weil wir nicht zu McDonalds fahren. 

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Kommentare: 4
  • #1

    DayDay (Freitag, 28 September 2018 14:06)

    Merci viu mau liebs...
    schön di i mim läbe dsha o wemer üs nid so viu gseh.

  • #2

    Guayana27 (Freitag, 28 September 2018 14:28)

    Sehr schön geschrieben..mein Gedankenszug...Und vieleicht strahlt die sonne in diesem moment trotzdem passend.als mein halbbruder gestorben war und ich es erfahren habe war ich dankbar für diese wärmende sonne für genau diesen moment und die tage danach.viel kraft deiner freundin

  • #3

    Fred (Freitag, 28 September 2018 14:32)

    Sehr berührend geschriebe, danke für diner sehr persönliche Reflektione! Es isch es Thema wo ou i mir Truur, Wuet und Ungemütlichkeit uslöst. När luegi miner Ching id Ouge u gseh die unvoreingenommeni Freud, Neuigier u Liebi. Das macht der Moment besser und laht eim das aus eifacher la würke, ou wenns eigentlich nid eso isch. Ig ha für mich glernt der Moment zgniesse, eifach la würke, ohni zfescht nachezdänke "was wäre wenn". D Sunne schiint, nimm die Kraft u Energie uf und Strahl sie zrügg!

  • #4

    Fabi (Freitag, 28 September 2018 16:07)

    Ohhhh, du sprichsch mir ächt us dr Seele. I füehle genau glich. Super guet gschribe. Bravoo!! :)